Kundgebung gegen die revisionistische ZFI ("Zeitgeschichtliche Forschungsstelle Ingolstadt")

Liebe Freundinnen und Freunde unseres Aktionsbündnisses, liebe Gäste,

ich bin fassungslos, dass heute erneut an unserer Volkshochschule, einer Bildungseinrichtung der Stadt Ingolstadt, die ZFI eine Tagung abhält. Die Stadt lässt das zu - trotz zahlreicher Proteste und entgegen anderslautender Lippenbekenntnisse in der Vergangenheit. Dr. Schickel, der Gründer der ZFI, war mein Geschichtslehrer am Gnadenthal-Gymnasium. Der Holocaust kam in seinem Unterricht nicht vor, er erwähnte ihn nur mit einem Satz: „Es waren weniger als 6 Millionen Juden“. Durch ihn habe ich etwas sehr wichtiges gelernt: Es ist wichtig, eine Antifaschistin zu sein.

Die Referenten der heutigen Tagung haben viel gemeinsam. Akademische Sprache, pseudointellektuelle Schachtelsätze dienen in diesen Kreisen als Verschleierung der wahren Absichten. Hinter der Maske dieser theologisch, philosophisch und juristisch versierten Altherren versteckt sich die Fratze des Revisionismus und der Flirt mit rechtsextremen Ideologien. Die Herren fühlen sich in ihrer Meinung verfolgt, ein typisches Phänomen, das auch bei der AfD verbreitet ist. Es gibt keine Toleranz mit Intoleranz. Revisionismus, rassistisches und homophobes Gedankengut sind keine Meinung, sondern eine Verhöhnung der Opfer des Nationalsozialismus. Ein Referent heute, der Theologe Prof Dr. Felix Dirsch, versteht sich als Teil des intellektuellen Widerstands gegen die 68-er, er kritisiert den Einfluss der 68er-Generation und der "politischen Korrektheit". Er schreibt vornehmlich für neurechte Medien wie Criticón, Junge Freiheit und Sezession. Elemente unserer offenen Gesellschaft sind ihm ein Dorn im Auge, wie z.B. die Ehe für alle. Auf seiner Homepage lobt Dirsch in einem Aufsatz „Relativismus als Quintessenz der Demokratie“ den letzten Papst, Joseph Ratzinger, für seine kritische Haltung gegenüber der Homosexualität: „Bereits 2003 ging Ratzinger auf die Problematik der – äußerst intoleranten – politischen Korrektheit ein, als er in einer Publikation feststellte, bald werde man gegen Homosexualität keine Einwände mehr öffentlich vorbringen können. Die damit offenkundig verbundene faktische Einschränkung der Meinungsfreiheit, die gerade im Rahmen der Debatte über Homosexuellen-Privilegierung oft zu beobachten ist, wird häufig gerade von jenen betrieben, die zwischen Ehe und so genannten „Eingetragenen Partnerschaften“ alle Unterschied einebnen wollen“.

Liebe Freundinnen und Freunde- Genau dafür stehen wir: Für die Ehe für Alle!

Dr. Helmut Gollowitsch, der erste Referent der heutigen ZFI-Tagung- ist in der rechtsextremen Szene einschlägig bekannt. Er war Mitglied des 1961 von den Behörden aufgelösten neonazistischen "Bundes heimattreuer Jugend" ,Mitbegründer der NDP und deren Mitglied bis in die siebziger Jahre war. Und er war Mitglied der Linzer Burschenschaft Armina Czernowitz. Eine schlagende Verbindung, die sogar innerhalb der Burschenschaften dem ausgesprochen rechtsextremen Flügel angehört. Der schlagende Burschenschafter (Verbindung Arminia-Czernowitz) war den Behörden laut dem DÖW vorliegenden Informationen 1979 auch durch die Verteilung eines so genannten „Sonderblattes“ in der Linzer Innenstadt aufgefallen, in dem der Holocaust relativiert und verharmlost wurde. 1979 unterzeichnete er „aus humanitären Gründen“ einen Aufruf für eine Generalamnestie für NS-Verbrechen in der „Nationalzeitung“. Das alles für das Land Oberösterreich kein Hindernis, ihn 1992 als Ehrenjugendführer des Landes Oberösterreich auszuzeichnen. Heute wird Golowitsch über sein Lieblingsthema referieren, als „Südtirolkämpfer“ beschäftigt ihn vor allem eine Überfremdung Südtirols: „Es steht zu befürchten, daß eine neuerliche Verschiebung der ethnischen Verhältnisse durch staatlich geduldete oder gelenkte Zuwanderung aus Ländern der Dritten und Vierten Welt eintritt. Angesichts dessen verwundert es nicht, daß in Südtirol die Überzeugung zunimmt, daß man sich von dem italienischen Staat lösen soll.“ (so schreibt Golowitsch in einem Beitrag „Südtirol“ für die Neue Ordnung) Besonders auf dem Kicker hat er meine Partei, die Grünen: So schreibt er in einem Artikel über die Ankündigung italienischer Politiker, den Bestand der Südtirolautonomie anzugreifen:  "Den „Grünen“ geht es ohnedies um die Abschaffung der „ethnischen Käfige“ und um die Errichtung ihrer utopischen multikulturellen Gesellschaft, in der alle Volksgruppenprobleme ganz von alleine in allgemeiner Glückseligkeit aufgelöst sind."

Ein Blick auf den Twitteraccount von CSU-Mann Konrad Badenheuer, ebenfalls Referent der ZFI-Tagung und Redakteur des CSU-Blattes Bayernkurier zeigt: Auch er vertritt rechtskonservative Werte und liegt damit auf einer Linie mit Teilen der CSU. Er ist gegen Abtreibung und äußert sich tendenziell homophob, Söders Politik lobt er über den Klee, Merkels Willkommenskultur ist ihm ein Dorn im Auge, Erika Steinbach findet er super.

Zum ersten Mal seit dem zweiten Weltkrieg sitzt eine Partei rechts neben der CSU im Bundestag. Eine Partei, die in unserer Stadt ihr bestes Ergebnis in Bayern einfahren konnte.. In Zeiten wie diesen ist es erst recht unverzeihlich, dass die Stadt Ingolstadt dem Altherrenclub der ZFI ein Podium bietet für ihre revisionistischen Thesen. Eine Stadtregierung, die keine klare Kante zeigt gegen Rechts, stärkt die Rechten. Wir werden nicht zulassen, dass sich Revisionisten und rechte Parteien wohl fühlen in Ingolstadt

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