Antrag "Kulturarbeit von und mit Geflüchteten fördern"

Beschluss auf der LDK in Bad Windsheim von Bündnis 90 /Die Grünen

Die Delegierten der LDK in Bad Windsheim am 17./18. Oktober haben u.v.a. auch einen Antrag unseres LAK Kultur zur Förderung von Kulturprojekten mit und von Geflüchteten beschlossen. Als eine der Sprecher*innen dieses LAK haben ich diesen Antrag eingebracht.

Meine Rede dazu könnt ihr hier nachlesen:

"Liebe Freundinnen und Freunde,

Die zentrale Forderung unseres Antrags ist die Förderung von Kulturarbeit von und mit Flüchtlingen. Es geht um Abwechslung vom trostlosen Alltag in den Aufnahmelagern und Unterkünften. Um schöne Erlebnisse durch Kunst, Musik und Tanz für Menschen, die in ihrer Heimat oft eine Hölle auf Erden erlebt haben. 40 Prozent der aus Syrien stammenden Kinder und Jugendlichen leiden unter psychischen Problemen wie posttraumatischen Belastungsstörungen. Nur 5 Prozent von ihnen werden in Deutschland behandelt. Sich künstlerisch auszudrücken ersetzt keine psychosoziale Betreuung. Aber die künstlerische Verarbeitung kann helfen, das Erlebte besser zu bewältigen. Die Förderung von Kulturprojekten mit Asylsuchenden ist auch ein Baustein für Integration. Nur wenn die Seele heilt und Traumata aufgearbeitet werden, ist Integration möglich. Beim Tanztheater, in Musik und Kunst spielen Sprachbarrieren und Herkunft keine Rolle. Die Sprache der Künste ist der direkteste Weg, um Grenzen zwischen Menschen aufzulösen. Es gibt zahllose Beispiele in Bayern für beeindruckende kulturelle Projekte mit und von Flüchtlingen. Unser LAK-Kultur hat dazu ein Fachgespräch veranstaltet. Einige unserer Gäste aus der Praxis haben betont, dass es in der künstlerischen Arbeit mit und von Geflüchteten auch darum geht, dass diese an die deutsche Gesellschaft etwas zurückgeben wollen. Sie wollen nicht nur „Hilfsempfänger“ sein. Auch das Überwinden von Fremdenangst, Empathie für ihr Schicksal spielen eine wichtige Rolle: Zum Beispiel beim Tanzheaterstück „Lebenserlaubnis“ unter der Regie des georgischen Ehepaares Sosani aus Regensburg. In diesem Stück bringen Jugendliche unter anderem aus dem Kosovo, Tschetschenien und Mazedonien auf der Bühne zum Ausdruck, was hinter ihnen liegt. Beschreiben in Tanz und Pantomime ihre Angst vor der Abschiebung. Wer diese jungen Menschen auf der Bühne erlebt hat, wird immer an sie denken müssen, wenn von schneller Abschiebung für Menschen aus „sicheren Herkunftsländern“ die Rede ist. In ihrer Arbeit sind Organisationen und Vereine oft mit bürokratischen Hürden konfrontiert, wenn sie Kulturprojekte mit Asylsuchenden durchführen wollen: Es ist nicht klar, aus welchem Topf öffentliche Mittel genommen werden sollen- handelt es sich hier um Kultur- oder Sozial- oder Bildungsausgaben oder um den Bereich Integration? Regelmäßig werden Projektanträge kultureller Vereine und Organisationen mit der Begründung abgelehnt, diese hätten keinen Anspruch auf Mittel für Integrationsarbeit. Solch ein Hickhack um Zuständigkeiten muss ein Ende haben. Wir brauchen eine eigene Haushaltsstelle für Kulturprojekte mit und von Asylsuchenden. Übrigens hat die gezielte Förderung solcher Projekte noch einen anderen Aspekt. Und der betrifft Geflüchtete und Vertriebene, die in ihrer Heimat einen künstlerischen Beruf gelernt haben. Sie sollen die Chance bekommen, sich frühzeitig mit der Kulturszene vor Ort zu vernetzen. Es geht um eine erfolgreiche Integration dieser Künstlerinnen und Künstler im deutschen Kulturbetrieb. Das bekannteste Beispiel dafür ist das in Bremen neu gegründete Syrische Exil-Orchester. Ich zitiere einen syrischen Kontrabassisten dieses Orchesters: „Wir möchten den Menschen ein anderes Bild von Syrien zeigen, jenseits von Krieg und IS. Syrien ist ein Land der Musik und der Kultur. Der Krieg wird uns nicht stoppen. Wir werden immer Musik machen, egal wo wir sind.“ Was die Wächter der Deutschen Leitkultur- also die CSU- zu unserem Antrag sagen, kann ich mir schon denken: Was, jetzt sollen wir auch noch dene ihre Kultur fördern? Ja, genau! Denn Kunst und Kultur leben von Veränderung, sind angewiesen auf unterschiedlichste Einflüsse, unsere Kultur kann noch vielfältiger werden und das wollen wir fördern und deshalb bitte ich euch um Unterstützung für diesen Antrag."

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