Grundsatzpapier zur Kulturpolitik

KULTURMITDENKEN

Das Gesicht der Welt verändern - Grüne Kulturpolitik für die Welt von morgen

Anlässlich des einstimmigen Fraktionsbeschlusses zur Verabschiedung des kulturpolitischen Grundsatzpapiers „Das Gesicht der Welt verändern - Grüne Kulturpolitik für die Welt von morgen“, erklärt Agnes Krumwiede, Sprecherin für Kulturpolitik der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen:

Die Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen hat ein umfassendes Grundsatzpapier zur Bundeskulturpolitik verfasst und stellt darin die Kulturpolitik auf Augenhöhe zu anderen Politikbereichen. Kunst und Kultur ziehen sich wie ein „grüner Faden“ durch gesellschaftliche und politische Fragen, denn Kunst und Kultur sind ein Schlüssel zur Veränderung unseres Denkens und zur Förderung von Kreativität.

Künstlerische Interpretationen in Wort, Bild und Musik spiegeln unsere Wirklichkeiten und schaffen Bilder, Erzählungen und Symbole, die unsere Gesellschaft prägen und in Frage stellen. Kultur hat ihren eigenen Wert. Sie muss keinen ökonomischen Zweck erfüllen, keine gesellschaftlichen Defizite kompensieren. Aber es ist unbestritten, dass sie es kann. August Everding sagt: „Wo Kultur wegbricht, wird Platz frei für Gewalt." Das Politische von Kultur besteht in der künstlerischen Sicht auf unsere Lebenswelten und in der Interaktion zwischen Kunst und Gesellschaft. Die Künste geben Gesellschaft und Politik entscheidende Impulse, denn sie wenden sich an Herz und Verstand der Menschen gleichermaßen und können alte Denkstrukturen aufbrechen. Wer die Welt der Künste für sich entdeckt, lernt vernetzt zu denken und entwickelt Ideen abseits des technokratischen Schubladendenkens. Kulturpolitik bestimmt Rahmenbedingungen für die Arbeit von Kulturschaffenden und fördert die freie Entfaltung von Kunst und Kreativität. Für Bündnis 90/Die Grünen ist Kulturpolitik auch Gesellschaftspolitik. Wir möchten jeden Menschen dabei unterstützen, die Zukunft kreativ mitzugestalten.

In unserem Grundsatzpapier zur Kulturpolitik formulieren wir die Bedeutung von Kultur für Gesellschaft und Politik, erläutern in Ausschnitten unsere kulturpolitischen Initiativen der letzten beiden Jahre und geben einen Ausblick auf zukünftige grüne kulturpolitische Ziele und Initiativender laufenden Legislaturperiode. Unsere Vorschläge zur finanziellen Unterstützung der kulturellen Infrastruktur werden ebenso aufgezeigt wie unsere Forderungen nach fairen Löhnen und besserer sozialer Absicherung im Kulturbetrieb.
Ein zentrales Anliegen Grüner Kulturpolitik ist auch die Aufwertung und Förderung von kultu-reller Bildung. Kultur muss mit Bildung und Kunst mit Lernen verknüpft werden. Dafür ist eine Stärkung von Kooperationen zwischen Schulen, Kultureinrichtungen und freischaffenden KünstlerInnen so ebenso notwendig wie die gleichberechtigte Förderung aller künstlerischen Ausdrucksformen und der Ausbau des freiwilligen sozialen Jahres im Bereich Kultur. Unser Grundsatzpapier verdeutlicht die Unterschiede grüner kulturpolitischer Ziele im Vergleich zu anderen Parteien: Grüne Kulturpolitik lehnt die qualitative Einteilung zwischen Hoch- und Subkultur ab, weil dadurch neue künstlerische Ausdrucksformen benachteiligt werden könnten. Deshalb setzen wir uns für die Förderung von Jugendkultur und Soziokultur ebenso ein wie für den Erhalt und die Stärkung etablierter „klassischer“ Kulturbereiche.
Wir wollen eine transparente und nachvollziehbare Definition der Kriterien „bundesstaatlicher Bedeutung“ entwickeln, um nicht nur Kultureinrichtungen und Kulturveranstaltungen, die ohnehin schon durch „Leuchtturmcharakter“ schwarze Zahlen erwirtschaften, finanzielle Unterstützung von Bundesseite zu ermöglichen.

Während die Bundesregierung die Situation von Frauen im Kulturbetrieb ignoriert, fordern wir Mittel für eine Neuauflage der veralteten Studie „Frauen in Kunst und Kultur“ des Deutschen Kulturrates, um mit aktuellen Zahlen Gleichstellung von Frauen auch im Kulturbetrieb umsetzen zu können. Der passiven Haltung der Bundesregierung angesichts leerer Haushaltskassen in den Kommunen und den damit verbundenen verheerenden Auswirkungen auf die Vielfalt unserer kulturellen Infrastruktur setzen wir unter anderem unseren verfassungskonformen Vorschlag der Vergabe von Kultur-Krediten über die Auflegung eines KfW-Programms entgegen.

Auch in der Auswärtigen Kulturpolitik unterscheiden sich unsere kulturpolitischen Ziele von jenen der Bundesregierung. Es geht uns nicht in erster Linie darum, das Bild von Deutschland im Ausland durch Kultur zu profilieren. Grüne Kulturpolitik versteht Auswärtige Kulturpolitik als Friedenspolitik, denn wenn alle diplomatischen Wege gescheitert sind, kann der kulturelle Dialog neue Wege der Verständigung bewirken.

Als politisches Signal der notwendigen Stärkung von Kunst und Kultur möchte unser Grundsatzpapier Länder, Kommunen ebenso wie Verbände im Kulturbetrieb und KünstlerInnen in Deutschland zum Dialog motivieren,
um mit uns gemeinsam grüne kulturpolitische Ziele umzusetzen, zu ergänzen und weiter-zuentwickeln. Politik ist angewiesen auf kreative Impulse.

Das vollständige Grundsatzpapier "Das Gesicht der Welt verändern - Grüne Kulturpolitik für die Welt von morgen" ist hier zu finden>>

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