08.03.2010  

Pressemitteilung

"Nicht nur süß, sondern auch mal sauer"

Zum Internationalen Frauentag erklärt Agnes Krumwiede, des Wahlkreises Ingolstadt, Neuburg-Schrobenhausen, Eichstätt:

Liebe Frauen, seid selbstbewusst, kämpft zusammen und nicht gegeneinander, steht zu euren weiblichen Attributen, lasst euch nicht die besten Jobs von Männern weg schnappen! Seid nicht nur süß, sondern auch mal sauer! Werdet nicht schwach, sondern macht euch stark gegen Machos!

1890 schrieb der Pianist Anton Rubinstein:

„Die Überhandnahme der Frauen in der Musikkunst, sowohl im instrumentalen Ausüben wie auch in der Komposition … datiert seit der zweiten Hälfte unseres Jahrhunderts – Ich halte diese Überhandnahme auch mit für ein Zeichen des Verfalles unserer Kunst. – Es fehlen den Frauen zwei Haupteigenschaften sowohl für ausübende Kunst als auch fürs Schaffen – Subjektivität und Initiative.

Sie können sich im Ausüben nicht über Objektivität (Nachahmung) erheben und zur Subjektivität fehlt ihnen der Mut und die Überzeugung. – Zum musikalischen Schaffen fehlt ihnen die Vertiefung, die Konzentration, die Denkkraft, die Weite der Gefühlshorizonte, die Freiheit des Strichs und so weiter … Rätselhaft ist es, dass gerade die Musik – das Edelste, Schönste, Feinste, Seelischste, Herzlichste, was des Menschen Geist geschaffen, der Frau, die ja doch aus allen diesen Eigenschaften zusammengesetzt ist, so unerreichbar ist!“

Eine derartige öffentliche Herabsetzung von Frauen wäre heute zwar nicht mehr vorstellbar. Bei näherer Betrachtung hat sich jedoch an der patriarchalischen Grundeinstellung des letzten Jahrhundert bis heute nicht viel verändert. Der Klassik-Betrieb war und bleibt eine Männerdomäne: Nur 2-3 Prozent unter den Komponisten und Dirigenten sind weiblich (in den Statistiken wird zwischen dem Beruf der Komponistin und dem der Dirigentin nicht differenziert). Die Frauenquote an den staatlichen Orchestern beträgt zwischen 20 und 30 Prozent. Und das, obwohl die Quote der Absolventinnen unserer Musikhochschulen im Bereich der OrchestermusikerInnen mit 60 % weit über dem Durchschnitt liegt. Statistiken zeigen: Je anerkannter ein Orchester und je höher das Gehalt desto geringer die Frauenquote.

Wenn eine Frau als Solo-Instrumentalistin Karriere machen will, ist ein ansprechendes Erscheinungsbild obligatorisch und ungleich entscheidender als bei ihren männlichen Kollegen.

Eine Frau muss mehr Energie aufwenden, um im Spannungsfeld zwischen der Reduktion auf Äußerlichkeiten und der Anerkennung ihres Könnens langfristig auf dem Markt zu bestehen.

Kritiken über das Konzert mit einer Dirigentin oder einer Pianistin beginnen oft mit oberflächlichen Beschreibungen des Kleides, der Schuhe oder der Frisur. Erst im zweiten Absatz wird über die künstlerische Leistung berichtet.

Patriarchalische Strukturen werden aufrecht erhalten durch Idealisierung und subtile Abwertung des Weiblichen. Der Blick über den Tellerrand der Klassik zeigt, dass es um die Gleichberechtigung auch in anderen Kulturbranchen schlecht bestellt ist. Nach einem ungeschriebenen Gesetz verdienen Schauspielerinnen an unseren Theatern grundsätzlich weniger als männliche Darsteller, die ProfessorInnen an Kunstakademien oder an Musikhochschulen sind mit Ausnahme des Fachs Gesang überwiegend männlich.

In Deutschland liegt die Lohnungleichheit zwischen Frauen und Männern insgesamt bei 23 %, der europäische Durchschnitt wird mit 18 % angegeben. Das Erschaffen von Neuem und die Originalität werden in erster Linie den Männern zugetraut, das ist bei den Chef-Köchen der „Haute Cousin“ nicht anders als in der Modebranche oder der Kultur.

Machen wir uns nichts vor: Es gibt weiterhin viel zu tun.

Die Rahmenbedingungen müssen verbessert werden, um Frauen die Vereinbarkeit zwischen Beruf und Karriere zu erleichtern. Dazu gehören kostenlose Krippenplätze für jedes Kind und Kinderbetreuung an größeren Unternehmen ebenso wie die Einführung einer Frauenquote in manchen Bereichen. Solange selbst unter Frauen weibliches Selbstbewusstsein als „arrogant“ deklariert und empfunden wird, solange nur wenige Frauen in Führungspositionen bestehen können und diese sich größtenteils kinderlos den Attributen männlicher Macht bedienen, solange Frauen im täglichen Leben mit Äußerungen des „Macho-Jargons“ konfrontiert werden – solange hat das Patriarchat unsere Gesellschaft fest im Griff.

Liebe Frauen, seid selbstbewusst, kämpft zusammen und nicht gegeneinander, steht zu euren weiblichen Attributen, lasst euch nicht die besten Jobs von Männern weg schnappen! Seid nicht nur süß, sondern auch mal sauer! Werdet nicht schwach, sondern macht euch stark gegen Machos!

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