02.10.2009  

Bayerische Staatszeitung

Pfiffige Pianistin: Agnes Krumwiede (Grüne)

Von Bernhard Hübner

Irgendwo im Bundestag, zwischen all den Büros, den Besprechungszimmern und Sitzungsräumen steht ein Klavier, ein richtiger Konzertflügel. Agnes Krumwiede will in den kommenden Jahren häufig darauf üben, sagt sie, damit sie nichts verlernt. „Die Musik macht mich unbestechlich”, meint Krumwiede. Wer in der Politik ganz schnell Karriere machen will, studiert gewöhnlich Jura oder Betriebswirtschaft.

Agnes Krumwiede ging auf die Musikhochschule und ließ sich zur professionellen Pianistin ausbilden. Sie arbeitet als Konzertpianistin, betreibt eine Klavierschule – und machte politisch Karriere im Eiltempo. Am Sonntag wurde die Ingolstädterin mit gerade einmal 32 Jahren für die Grünen in den Bundestag gewählt. Es ist ein politisches Abenteuer.

Krumwiede hatte bis zu diesem Wochenende noch nie ein politisches Mandat – nicht imStadtrat, nicht im Bezirkstag. „Das macht mir keine Angst”, sagt sie. „Es hat auch einen bestimmten Vorteil, wenn man frisch an die Sache herangeht.”

Diese unbekümmerte Frische hat sie im Januar beinahe aus dem Nichts auf einen chancenreichen Listenplatz getragen. Beim Landesparteitag in Amberg stellte sich Krumwiede ans Rednerpult und fragte: „Was qualifiziert eine Pianistin für die Politik?” Sie sprach von Leidenschaft und Mut, von Idealen, von ihren Ideen für einbesseres Bildungssystem und von der Kraft der Musik. Die Delegierten jubelten und wählten sie gegen neun andere Bewerber auf Platz neun der Landesliste. Für Beobachter mag das eine Überraschung gewesen sein, für Krumwiede nicht. Tagelang hatte sie an ihrer Rede gefeilt. „Ich bin hingefahren und hatte das Gefühl, die Rede war gut. Und ich hatte etwas zu sagen, das bei den Grünen bislang noch nicht so vorkommt.”

Am Mittwoch hat Krumwiede ihr neues Büro in Berlin bezogen. Auf dem Schreibtisch stapeln sich schon die Bewerbungen ihrer zukünftigen Mitarbeiter. Wenn sie sich eingearbeitet hat, dann möchte Krumwiede aus ihren Visionen konkrete Politik machen. Sie wolle sich für einen Mindestlohn für Kulturschaffende einsetzen, erzählt sie. Und sie möchte, dass der Bund Projekte fördert, die Jugendliche an die Kultur heranführen. Kultur solle nichts Elitäres sein, auch Hip-Hop gehöre für sie dazu. Agnes Krumwiede sagt: „Ich glaube, eine Pianistin macht den Bundestag auf jeden Fall bunter.”

Bernhard Hübner

Bayerische Staatszeitung vom 02.10.2009

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