Der Geiger Isaak Stern fasste den Effekt des lebenslangen Lernens durch Musik treffend zusammen: „Wer Musik macht, lernt nicht zu hassen. Wer Musik macht, lernt zu hören, zuzuhören und zu denken." Dass sich durch kontinuierliches Musizieren auch geistige und emotionale Fähigkeiten verbessern, ist hinreichend belegt.
Trotz des Wissens um die vielfach positiven Auswirkungen musikalischer und künstlerischer Bildung werden in vielen Bundesländern musische Fächer an Schulen gekürzt. In unserem System gelten musische Fähigkeiten im Vergleich zu jenen in sogenannten „MINT“-Fächern nicht adäquat als Leistung. Symptomatisch für die mangelhafte Wertschätzung musischer Leistungen ist die Ausbeutung von freischaffenden ausgebildeten Musikerinnen und Musikern sowie von Instrumental-Lehrkräften auf Honorarbasis mit teilweise sittenwidriger Entlohnung. Fächer wie Kunst oder Musik sind nicht „an sich“ kreativitätsfördernd. Auf die kindgerechte motivierende Vermittlung durch qualifizierte Pädagoginnen und Pädagogen kommt es an. Neugierde auf Musik entsteht nicht allein durch Bildungsgutscheine für Musikschulen. Anregungen zum musikalischen Ausdruck beginnen nicht erst mit einem Instrument in der Hand, sondern in der frühkindlichen Erziehung, beispielsweise mit dem Singen und der Schulung der Körperinstrumente.
Jedes Kind hat ein Recht auf künstlerische und musikalische Bildung - von der Kita an. Musi-sche Fächer wie Kunst, Theater oder Musizieren müssen deshalb integraler Bestandteil unseres Bildungssystems werden. Damit kulturelle Bildung nicht hauptsächlich vom Einkommen der Eltern abhängt und den Lippenbekenntnissen über die positiven Auswirkungen musischer Bildung endlich Konsequenzen folgen, ist ein gesellschaftliches und politisches Umdenken gefordert.
Dazu leistet der Deutsche Musikrat mit dem „Tag der Musik“ bereits seit drei Jahren einen wertvollen Beitrag. Auch in diesem Jahr werden unter dem Motto „Ohne Musik keine Bildung“ wieder zahlreiche Veranstaltungen die Verknüpfung von Herz und Verstand durch Musik thematisieren und eindrucksvoll erlebbar machen.
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