26.07.2011  

Pressemitteilung

Großzügige Kartenkontingente für Bayreuther Festspiele untergraben Förderziele des Bundes

Anlässlich der Eröffnung der Bayreuther Festspiele und des Bundesrechnungshofberichts zur Kartenvergabe der Bayreuther Festspiele, erklärt Agnes Krumwiede, Sprecherin für Kulturpolitik der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen:

Das musikalische Erbe Richard Wagners muss bewahrt und gepflegt sowie einem breiten Publikum zugänglich gemacht werden. Zur Umsetzung dieser Ziele fördert der Bund die Bayreuther Festspiele jährlich mit 2,1 Mio. Euro.

Wie der Bundesrechnungshof vor kurzem bestätigte, werden die Förderziele jedoch aufgrund der langjährigen Praxis der Kartenvergabe seitens der Festspielleitung nur unzureichend umgesetzt. Durch Kartenkontingente insbesondere für den Förderverein der Wagnerfestspiele und 20 Reiseveranstalter waren im Jahr 2010 nur 40 % der Karten - bei Premieren sogar nur 16 % - für die Allgemeinheit verfügbar. Die durchschnittliche Wartezeit auf eine Karte für Bürgerinnen und Bürger, welche sich nicht unter den bevorzugten Personenkreisen befinden, beträgt zehn Jahre. Der Bundesrechnungshof fordert daher den Kulturstaatsminister auf, die Praxis der Kar-tenkontingentierung kritisch zu prüfen und anzupassen sowie die Förderziele zu konkretisieren.

Bisher zeigte der Kulturstaatsminister keine Ambitionen, die Handlungsempfehlungen des Bundes-rechnungshofes umzusetzen. Ganz im Gegenteil: Dem Förderverein hat der Kulturstaatsminister bereits signalisiert, das Kartenkontingent bis zum Jahre 2012 in vollem Umfang bei zu behalten. Katharina Wagner kündigte auf einer Pressekonferenz zur Eröffnung der Festspiele bereits an, „dass sie sich heftig dagegen verwehren wird, dass ein Kontingent für Sponsoren oder für die Gesellschaft der Freunde für Bayreuth in irgendeiner Form gekürzt werden“.

Solange das Publikum der Bayreuther Festspiele mehrheitlich aus einem privilegierten Personenkreis besteht, bleibt einem Großteil der Bevölkerung der Zutritt verwehrt. Eine breite und inklusive Teilhabe ist somit nicht gewährleistet. Wenn der Bund fördert, übernimmt der BKM auch eine Verantwortung für die Verwendung der Mittel. Deshalb fordern wir den Kulturstaatsminister auf, den Empfehlungen des Bundesrechnungshofes zu folgen, alle Kartenkontingente kritisch zu prüfen und auf eine deutliche Reduzierung hinzuwirken. Andernfalls, muss hinterfragt werden, ob öffentliche Fördergelder für die Bayreuther Festspiele überhaupt gerechtfertigt sind. Durch Steuergelder finanzierte Fördermittel verfehlen ihren Zweck, wenn das Live-Erlebnis von Richard Wagners Singspielen im Rahmen der Bayreuther Festspiele nur einem etablierten „Stammpublikum“ vorbehalten bleibt.   

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