In einem Abschlussfinale trafen Schülerinnen und Schüler aus Berlin und Köln zu einem „Schoolbattle“ im Berliner Columbia Club aufeinander. Die Veranstaltung war als feierlicher Höhepunkt des von dem Verband der privaten Krankenversicherung e.V. (PKV) unterstützten Projekts „Hip Hop gegen Komasaufen“ geplant, das Jugendliche durch Hip Hop vom Alkohol fernhalten soll. Die Schirmherrschaft des Projekts teilen sich die Drogenbeauftrage der Bundesregierung Mechthild Dyckmans (FDP) und der amtierende Bürgermeister von Berlin Klaus Wowereit (SPD). Rapper Mario „BickMack“ Pavelka, der bereits als Hip-Hop-Künstler bei Veranstaltungen der SPD mitwirkte, ist Initiator des Projekts und führte durch das Programm.
Nach diesem Abend, an dem Agnes Krumwiede, MdB (Bündnis 90/Die Grünen) – neben Dieter Gorny (Musikproduzent und ehemaliger Chef von VIVA), Lars Klingbeil, MdB (SPD) und die Rapper Juvel (Hamburg) sowie Scotty76 (Stuttgart) – als Jurymitglied teilnahm, besteht jedoch begründeter Zweifel, ob der Rapper BickMack über das notwendige pädagogische Knowhow zur Umsetzung jugendkultureller Projekte verfügt. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand in erster Linie die Selbstinszenierung der Marke „BickMack“ und seinen befreundeten „KünstlerInnen“. Die insgesamt vier Wettbewerbsbeiträge in Form von Auftritten der Schülerinnen und Schüler dienten lediglich als Plattform für die Selbstdarstellung des Rappers „BickMack“. Dies zeigte sich bereits in der offiziell einberufenen Pressekonferenz, an der, neben der Schirmherrin und dem Initiator selbst, Medien- und Finanzpartner teilnahmen. Die eigentlichen Stars des Abends aber – die Schülerinnen und Schüler der Röntgenschule (Berlin/Neukölln) und der Max-Planck-Realschule (Köln/Porz) waren nicht vertreten und kamen auch später bei den zahlreichen Möglichkeiten zum Gespräch auf der Bühne nicht zu Wort.
Als Moderator der Veranstaltung ließ „BickMack“ keine Gelegenheit aus, dem Publikum seinen moralischen Zeigefinger entgegenzustrecken und für ein respektvolles Miteinander zu werben. Respektvolle Umgangsformen ließ „BickMack“ selbst in seinem Auftreten jedoch vermissen: Lautstark attackierte er vermeintlich störende junge ZuschauerInnen und sprang zur Zurechtweisung Jugendlicher von der Bühne in den Saal. Besonders verstörend wirkte dieses Verhalten, als „BickMack“ auf SchülerInnen mit Migrationshintergrund in den ersten Reihen ohne ersichtlichem Grund unzusammenhängend einbrüllte und mit großem Pathos – „wegen Kids wie euch denken viele in Deutschland …“ oder „Ich werde noch allen Kids in Deutschland beibringen, was Respekt heißt“– MedienvertreterInnen und Publikum seine Vorstellungen vom pädagogischen Umgang in der Jugendmigrationsarbeit offenbarte.
Die abschließende Preisverleihung endete im Eklat. Die zweitplatzierten Kölner wollten Anerkennung für ihre Leistungen und nicht als „Verlierer des Abends“ gelten. Schnell flossen bei den Zweitplatzierten Tränen. Mitverantwortlich für den Frust des „Verlierer-Teams“ war auch die intransparente Vermittlung des Juryergebnisses. Die Jurymitglieder hatten keine Zeit, ihre Bewertungen untereinander zu besprechen. Außerdem wurde ihnen bei den auf die Preisverleihung folgenden Kurzinterviews durch Moderator „BickMack“ keine Gelegenheit gegeben, ihre detaillierten Bewertungen der Gruppen zu begründen und auf die Zusammenfassung der einzelnen Kategorien „Rap“ und „Tanz“ hinzuweisen.
Der Erwerb von Frustrationstoleranz, Disziplin und die realistische Selbsteinschätzung der eigenen Leistung sind selbstverständlich notwendige Lernziele für junge Menschen. Aber das „Verlieren“ eines Wettbewerbs ohne jegliche Kommentierung durch die Jury löst einzig und allein Unverständnis und Frustration aus, der spielerisch-kämpferische Gedanke eines „Schoolbattles“ geht auf diese Weise verloren. Nach offiziellem Veranstaltungsende war aus der Kabine im Backstagebereich eine lautstarke Tirade an die enttäuschten Zweitplazierten des Initiators „BickMack“ zu hören. Brüllen und verbale Maßregelung sind mit Sicherheit nicht der geeignete Weg, um junge Menschen nach einer Niederlage wieder motivieren zu können.
Agnes Krumwiede fordert, Jugendkulturangebote mit pädagogischer Vermittlung und Betreuung auszubauen. Bündnis 90/Die Grünen haben deshalb die Bundesregierung aufgefordert, dass Programm „Jugendkultur Jetzt!“ über die Kulturstiftung des Bundes zur Stärkung jugendkultureller Ausdrucksformen aufzulegen. Es ist sehr zu begrüßen, dass die PKV, der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit sowie die Drogenbeauftragte der Bundesregierung jugendkulturelle Präventionsprojekte unterstützen. ABER im Zentrum jugendkultureller Förderung müssen Kinder und Jugendliche stehen, nicht die Selbstdarstellung der ProjektleiterInnen.
Bei der Wahl von ProjektleiterInnen für Kinder und Jugendliche ist besondere Umsicht notwendig, eine zusätzliche pädagogische Betreuung neben der künstlerischen Leitung ist dringend erforderlich. Projekte dieser Art müssen konzeptionell durchdacht und pädagogisch aufgearbeitet werden, um Jugendlichen einen kreativen Mehrwert anbieten zu können.
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