Als Theaterstück inszeniert wäre die jüngste Geschichte um Ben Wagins „Parlament der Bäume“ eine entlarvende Satire auf den schwarz-gelben Regierungsstil, heute unter dem Kapitel Kulturpolitik:
Letzte Woche haben die Vertreter der Koalitions-Fraktionen im Ausschuss für Kultur und Medien einstimmig gegen den Antrag von Bündnis 90/Die Grünen zur dauerhaften Unterschutzstellung des „Parlaments der Bäume“ votiert. Der Antrag enthielt die Forderungen, das „Parlament der Bäume“ durch eine entsprechende Bauleitplanung zu schützen und die Aufnahme als Kulturdenkmal in die Landesdenkmalliste Berlin anzuregen. Einen Tag später fanden die Feierlichkeiten zur Neugestaltung des „Parlaments der Bäume“ statt.
Die Entscheidung der Koalition vom Tag zuvor gegen einen dauerhaften Erhalt des Kunstwerks schien vergessen: Vor Vertretern der Presse und dem Künstler Ben Wagin würdigte Kulturstaatsminister Neumann in bewegenden Worten die Arbeit des Künstlers.
Aber eine Würdigung in Worten allein wird nichts zum dauerhaften Schutz des „Parlaments der Bäume“ beitragen. Oder, um es mit Ben Wagins Worten zu sagen: „Die schwingen immer alle nur große Reden aber wenn es drauf ankommt kneifen sie.“
Der Frust des Künstlers auf die Politik ist nachvollziehbar: Zu Ben Wagnis 80. Geburtstag im März diesen Jahres häuften sich die Lippenbekenntnisse von Politikern, das „Parlament der Bäume“ unter Denkmalschutz stellen zu wollen. Sogar ein Gruppenantrag aller im Bundestag vertretenen Parteien war geplant. Viel Lärm um nichts: Der Gruppenantrag scheiterte an den Mehrheiten der CDU/CSU und FDP. Auch anlässlich des 20. Jahrestages der Deutschen Einheit wird es folglich keinen Denkmalschutz für das „Parlament der Bäume“ geben.
Um jedoch das „Parlament der Bäume“ für die Nachwelt als einzigartige Erinnerungsstätte im Regierungsviertel erhalten zu können, ist eine verbindliche schriftliche Zusage der Regierung notwendig. Andernfalls schweben die Baukräne des Bundes wie ein Damoklesschwert über Ben Wagins „Parlament der Bäume“.
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