Der Bundesrechnungshof kritisiert in seinem BRH-Bericht vom Juni 2011 unter anderem die ausufernden Kartenkontingente bei den Bayreuther Festspielen. Kritisiert wurde, dass Reiseunternehmer, Sponsoren, die Gesellschaft der Freunde von Bayreuth e.V. und weitere durch die Kontingentierung ein Vorkaufsrecht eingeräumt bekommen. Dies führe dazu, dass maximal 40% der verfügbaren Karten in den freien Verkauf gelangen. Bei Premieren sind es nur 16%. Die Folge sind Wartezeiten von bis zu zehn Jahren. Zugang zu den Wagnerfestspielen erhält faktisch nur eine Elite. Das zugrundeliegende Förderziel des Bundes, den Eintritt zu den Wagnerfestspielen denjenigen zu ermöchlichen, die sonst nur schwer Zugang zu den Werken von Richard Wagner finden, wird verfehlt!
In der Beantwortung unserer Kleinen Anfrage "Zukunft der Bayreuther Festspiele" (BT-Drs.: 17/6997) hatte der Kulturstaatsminister bereits im September 2011 signalisiert, dass die Kartenkontingentierung für die Gesellschaft der Freunde von Bayreuth e.V., die rund 25% der zur Verfügung stehenden Karten als Kontingent besitzen, auch 2012 bestehen bleibt. Die Forderung des Bundesrechnungshofes, die Kartenkontingente deutlich zu reduzieren, wird nicht umgesetzt. Dies ist eine Missachtung des Haushaltausschusses des Bundestags und der Empfehlungen des Bundesrechnungshofes. Die Entscheidung konterkariert die Förderziele der Bayreuther Festspiele. Wenn bei vom Bund geförderten Kulturveranstaltungen die Eintrittskarte hauptsächlich von der Mitgliedschaft in einem Verein abhängt, ist der gesamtstaatliche Mehrwert nicht mehr gesichert.
Bereits für das Haushaltsjahr 2012 haben wir daher eine Streichung der Mittel für die Bayreuther Festspiele gefordert. Mit unserem HH-Antrag "Bayreuther Festspiele" (Ausschuss-Drs. 17(22)64a) wollen wir nicht die gesamtstaatliche Bedeutung der Bayreuther Festspiele in Frage stellen, sondern deren momentane Konzeption der Ausrichtung. Die Förderung investiver Maßnahmen der Bayreuther Festspiele sind von unserem Antrag explizit nicht betroffen.
Im März 2012 legte der BKM eine Stellungnahme zum Bundesrechnungshofbericht dem Haushaltausschuss vor. Der Bericht zeigt auf, dass sich die Bundesregierung zwar um Transparenz bemüht, die getroffenen Entscheidungen aber hinter den Erwartungen und dem Notwendigen zurückbleiben. Die Stellungnahme bestätigt vielmehr das festhalten an den verkrusteten Strukturen: Das Kartenkontingent der Freunde von Bayreuth e.V. bleibt bei der notwendigen kritischen Prüfung unangetastet.
Im Mai 2012 fand ein Fachgespräch mit Verantwortlichen der Bayreuther Festspiele im Ausschuss für Kultur und Medien statt. Leider konnte auch dieses nicht zur Beantwortung offener Fragen beitragen. Das Gespräch zeigte einmal mehr das fehlende Problembewusstsein der handelnden Akteure auf. In meinem Statement "Keine entscheidenden Reform-Erfolge in Sicht: Schwarze Wolken bleiben über den Wagner-Festspielen in Bayreuth", weise ich darauf hin, dass die Förderung des Festspielbetriebs durch den Bund mit über zwei Mio. EUR pro Jahr weiter in Frage gestellt werden muss. Ziel muss ein deutliche Umstrukturierung und Neuausrichtung hin zu mehr Teilhabemöglichkeiten sein. Wenn der Bund fördert, übernimmt er auch eine Verantwortung für die Verwendung der Mittel.
Aufgrund der offenen Fragen zur kaufmännischen Geschäftsführung, zu den Kartenkontingenten der Freunde von Bayreuth und der notwendigen Marktpreisstudie habe ich im Juni 2012 schriftliche Fragen eingereicht. Meine Hoffnung auf mehr Klarheit wurde leider nur teilweise erfüllt. Klar ist nun, dass auch 2013 das Kartenkontingent der Freunde von Bayreuth nicht gekürzt wird. Die Forderung nach einer Sonderregelung seitens des Rechnungshofes wird weiter missachtet. Eine klare Antwort, wann es eine kaufmännische Geschäftsführung bei den Bayreuther Festspielen geben wird, bleibt die Bundesregierung schuldig. Das Verfahren liefe noch. Ein konkretes Datum für die Neubesetzung wurde nicht genannt. Auf die Frage, ob die vielerseits geforderte Marktpreisstudie durchgeführt werden soll, antwortete die Bundesregierung, dass die Studie nach der Festspielsaison 2012 umgesetzt werden soll. Darüber herrschte in dem Ausschussgespräch deutlich Uneinigung. Es bleibt daher offen, ob und wann eine Marktpreisstudie durchgeführt wird.
Die Bundesregierung ist in der Pflicht, einen Zugang für „unterrepräsentierte Gruppen“ wie Kinder und Jugendliche, die sonst nur schwer Zugang zu den Werken von Richard Wagner finden, sicher zu stellen. Das ist das Kriterium, dass die Millionenförderung durch Steuergelder legitimiert.
Informationen und Initiativen zum Thema Bayreuther Festspiele:
Bundesrechnungshofbericht "Bayreuther Festspiele"
Kleine Anfrage "Zukunft der Bayreuther Festspiele" (BT-Drs.: 17/6997)
Pressemitteilung vom 26.07.2011: Großzügige Kartenkontingente für Bayreuther Festspiele untergraben Förderziele des Bundes
HH-Antrag 2012 "Bayreuther Festspiele" (Ausschuss-Drs. 17(22)64a)
BKM-Stellungnahme zum Bundesrechnungshofbericht
Statement "Keine entscheidenden Reform-Erfolge in Sicht: Schwarze Wolken bleiben über den Wagner-Festspielen in Bayreuth"
Schriftliche Frage 5/321 - kaufm. Geschäftführung
Schriftliche Frage 5/322 - Kartenkontingente & Marktpreisstudie
Presseecho: Wagner Festspiele: Weit entfernt, einkommensschwächeren Menschen den Besuch zu ermöglichen!
HH-Antrag 2013 "Bayreuther Festspiele" (Ausschuss-Drs. 17(22)89b)
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