07.07.2011  

Persönliche Erklärung zur PID-Abstimmung

„Bei PID geht es um die Vermeidung von Abtreibung“

Kaum eine Entscheidung ist mir bisher so schwer gefallen wie meine Positionierung zu PID.
Ich habe mich gedanklich in die Lebenssituation von Frauen mit Kinderwunsch versetzt, die wiederholt das Trauma von Fehl- und Todgeburten erleben mussten. Schließlich habe ich mich dem Gesetzentwurf von René Röspel angeschlossen, welcher PID in den Fällen straffrei stellen möchte, die künstliche Befruchtungen bei hohem genetischen Risiko für Fehl- und Todgeburten betreffen. In den letzen Tagen habe ich mehrere Berichte zur Pränataldiagnostik (PND) gelesen: Wird beim Embryo im Mutterleib durch die Pränataldiagnostik eine schwere Behinderung diagnostiziert, hat die Frau die Entscheidung zwischen Abbruch oder Nicht-Abbruch. Bis zum 8. Monat ist unter diesen Umständen ein Abbruch möglich, nicht selten wird dabei das Embryo durch eine Giftspritze getötet, die Geburt wird künstlich eingeleitet. Ein traumatisches Erlebnis für die Frau. Ich glaube, dass die Diskussion um PID auch von vielen ideologisch geführt wird, die ohnehin grundsätzlich gegen Schwangerschaftsabbrüche argumentieren. Der Subtext „Wenn eine Frau sich schon dagegen entscheidet, ein behindertes Kind auszutragen, soll sie diese Entscheidung zumindest mit einem traumatischen körperlichen Eingriff, büßen‘“ ist meiner Ansicht nach menschenverachtend. Nein, keiner hat ein Recht auf ein gesundes Kind. Aber der Staat hat meiner Ansicht nach auch nicht das Recht, Frauen, bzw. Paaren, die in anderen Ländern bereits legale Möglichkeit zu verbieten, sich im Fall einer genetischen Vorbelastung für PID zu entscheiden. Wenn wir Paaren dies in Deutschland verwehren, wären sozial schwache benachteiligt, weil sie sich keine PID im Ausland leisten können. PID ist beispielsweise in skandinavischen Ländern seit Jahrzehnten erlaubt und die Praxis dort zeigt, dass ein verantwortungsvoller Umgang mit PID möglich ist. Aus diesen Gründen habe ich bei der Abstimmung am Donnerstag dem Gesetzentwurf von Ulrike Flach und Peter Hintze zugestimmt.
In der Debatte vor der Abstimmung zu den drei Gesetzesentwürfen zu PID sagte Peter Hintze: „Bei PID geht es um die Vermeidung von Abtreibung“. Diese Haltung teile ich.

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