23.09.2009  

Eichstätter Kurier

Ausdruckstanz als grünes Wahlgeschenk

Von Andreas Wurtinger

Eichstätt (EK) Würde man Politiker nach musikalischen Fähigkeiten messen, säße Agnes Krumwiede längst im Bundestag. Bei einem kulturpolitischem Abend präsentierte die Bundestagskandidatin der Grünen ein Gesprächskonzert, zeitgenössisches Ballett sowie politische Inhalte.

Von der Bühnendecke im Alten Stadttheater hängt ein großes Banner der Grünen, ansonsten ist das, was sich auf der Bühne befindet, an einer Hand abzuzählen: links ein schwarzer Flügel und am rechten Bühnenrand ein dunkler antiker Holztisch mit brennender Kerze. Noch ein paar Sonnenblumen, das war’s.

Die ganze Aufmerksamkeit ist auf die Präsenz der Töne von Pianistin Agnes Krumwiede und die Worte der Sprecherin Christine Nonnast, zurzeit als Schauspielerin in Ingolstadt tätig, gelenkt. Während Nonnast Texte starker Frauen wie Clara Schumann, Fanny Hensel und Mayako Kubo vorträgt, greift Krumwiede die Stimmung der Worte gekonnt auf und zeigt verschiedenste Facetten ihres virtuosen Spiels, von schmerzvollen bis hin zu stürmischen Passagen. Sie wiegt sich hingebungsvoll in der Musik und spielt sehr energisch: Dafür ist sie bekannt, auch in der Politik.

In einem Brief der japanischen Komponistin Mayako Kubo wird dann erstmals auch ein direkt zu erkennender Faden von der Musik zur Politik gesponnen, wenn sie verlauten lässt, dass sie ihre Musik immer auch zu einem politischem Anlass komponiere. Krumwiede interpretiert daraufhin von ihr zwei zeitgenössische Werke aus dem Jahr 1989: “Die Mauer, für die Linke Hand” und “Berliner Luft, 12. Dezember 1989″. Dazu betritt erstmals die Tänzerin Yahsmine Maçaira die Bühne und verkörpert durch ihre ausdrucksstarken Bewegungen die Unfreiheit und die Hoffnung vom Einreißen der Mauer.

Bevor sich die Bundestagskandidatin dann der aktuellen politischen Lage zuwendet, leitet sie mit “besonderer Freude” das zeitgenössische Ballett “Pas de Deux”, getanzt von Yahsmine Maçaira und David Williams, beide am Theater Ingolstadt aktiv, ein. Als “Grünes Wahlgeschenk” angekündigt, verfolgt das Publikum im leider nur schwach besuchten Festsaal nun einen Ausdruckstanz über die Irrungen und Wirrungen beim Zueinanderfinden von Mann und Frau.
An einem Pult neben der Bühne spricht Krumwiede schließlich nach Vorstellungsende über die zentralen Punkte des Parteiprogramms der Grünen und übt scharfe Kritik an der CSU: Dank der schwarzen Regierung sei Bayern führend in der Atompolitik. Und bei einer Wiederwahl prophezeit Krumwiede den Einsatz der CSU für die “Risiko-Agro-Grentechnologie”, die unkontrollierbar sei und kein Zurück mehr möglich mache.
Krumwiede prangert auch die “Verlogenheit in der Politik” an und weist darauf hin, dass der “grüne Mantel” gerade in Mode sei, aber die anderen Parteien sich seiner nach der Wahl wieder entledigen würden. “Mit uns gibt es den Atomausstieg ohne Wenn und Aber.” “Die Leute trauen uns zu, mit unseren Rezepten die Krise zu meistern”, setzt sie dann zu einem schwungvollen Plädoyer für mehr Bildung und Gerechtigkeit in der Gesellschaft an. Dabei stellt sie Ganztagsschulen als wichtiges Mittel “zur Entzerrung des Stundenplans” in den Mittelpunkt, damit wieder mehr Zeit für Kreativität im Schullalltag einkehrt. Dafür steht Krumwiede auch mit ihrem Wahlkampfkonzept.

Dem angebotenen Gespräch am späteren Abend in einer Eichstätter Gaststätte folgen am Ende nur wenige. Im Gespräch mit dem EICHSTÄTTER KURIER äußerte sich Krumwiede aber noch zur ihrer eigenen Person: “Ich stamme aus einem politischen Elternhaus und war auch schon immer ein politischer Mensch. Es gibt eindeutig zu viele Berufspolitiker – ich werde nie an der Macht kleben.”

Bezüglich möglicher Koalitionspartner steht für sie eines fest: “Nur wer unsere zentralen Punkte mitträgt, mit dem arbeiten wir zusammen.”

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