Hof – Noch Geheimrat Goethe meinte, die beste Ausbildung für Frauen sei die zur Köchin. Doch schon kurze Zeit später, in der Romantik, wagten mehr Frauen, ihren eigenen Weg zu gehen – gerade in der Kunst. Der Komponist, Pianist und Dirigent Anton Rubinstein bedauerte dies, sprach er den Frauen doch die Fähigkeit zur Gefühlstiefe und den Mut zur Subjektivität ab.
Aus dieser Epoche des Aufbruchs stammten die meisten Musikstücke, die bei einem Konzert im katholischen Gemeindezentrum in der Bachstraße zu hören waren. Eingeladen hatte der Kreisverband Hof von Bündnis 90/Die Grünen.
Verloren und wiedergefunden
Konzert HofIn der Romantik ging es darum, innerem Erleben Ausdruck zu verleihen. Leicht war der Weg in die Öffentlichkeit für die Frauen nicht. “Innere Zweifel und äußere Widerstände begleiteten sie”, meinte MdB Elisabeth Scharfenberg, “oft ließen sie dem Komponisten oder Schriftsteller an ihrer Seite den Vortritt. Dieses Verhaltensmuster kennen wir bis heute.” Frauen steckten oft zurück, beruflich und privat. Trotz besserer Schulabschlüsse studierten Mädchen seltener als Jungen. In Chefetagen, bei Professuren, als Entscheidungsträger in Politik und Gesellschaft seien sie immer noch unterrepräsentiert, gründeten seltener Firmen, und auch in der Kunst hätten sie es nach wie vor schwerer als ihre Kollegen. Daher sei es wichtig, ihnen Mut zu machen.
Scharfenberg stellte dem Publikum die Pianistin Agnes Krumwiede vor, Direktkandidatin der Grünen in Ingolstadt. Eine zierliche Frau, der man auf den ersten Blick nicht die Kraft und Energie ansieht, die sie dann in ihrem Spiel an den Tag legte. Sie präsentierte zum Einstieg drei Stücke von Clara Schumann, aus denen starke Gefühle und geistige Behendigkeit sprachen. Zwischendurch las Elisabeth Scharfenberg Passagen aus Tagebüchern und Briefen. Clara Schumanns Sorge um den melancholischen Ehemann kam darin zum Ausdruck, ihre Angst, ihn durch eigenen Erfolg – der aber zum Lebensunterhalt der Familie von großer Bedeutung war – vor den Kopf zu stoßen.
Auch George Sand, Lebensgefährtin von Frédéric Chopin, bangte um die Gesundheit des Mannes, mit dem gemeinsam sie versucht, ein Ideal zu leben, liebend hingewandt zur Kunst, wie aus ihrem Tagebuch hervorgeht. Krumbiegel spielte die “Regentropfen-Prélude” des Komponisten, voller Schwermut und Tristesse, aber auch mit Anflügen von Trotz und Wut.
Fanny Hensel, Schwester von Felix Mendelssohn-Bartholdy, war eine hervorragende Pianistin und Komponistin, versicherte sich in Briefen aber immer wieder der Zustimmung des Bruders. War sie doch auch rechtlich auf diese angewiesen, wollte sie selbst veröffentlichen. Bewegt und losgelöst erscheinen ihre Klavierstücke, verfasst bei einem Aufenthalt mit ihrem Ehemann in Rom.
Sprung in die Gegenwart
Ein Sprung in die Gegenwart: Mayako Kubo ist eine zeitgenössische Komponistin japanischer Herkunft. Sie lebt in Berlin als freischaffende Musikerin und Performance-Künstlerin. 1989 komponierte sie die beiden Stücke “Die Mauer, für die linke Hand” und “Berliner Luft, 15. Dezember 1989″. Es geht darin um die Abwesenheit beziehungsweise das Gewinnen von Freiheit, man spürt Beklemmung, Angst, Staunen und Freude. Agnes Krumwiede spielte beide Stücke mit beeindruckender Power und Tiefgang.
Das Publikum brach zuletzt in starken Beifall aus, und Elisabeth Scharfenberg überreichte der Pianistin zum Dank ein “Survival-Päckchen”, verbunden mit den besten Wünschen für ihre Zukunft – als Künstlerin und als Frau mit politischem Engagement.
(Artikel aus der Frankenpost vom 16.09.2009)
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