21.11.2009  

Augsburger Allgemeine

Senkrechtstart mit starken Auftritten

Von Harald Jung

Aber die vielen Auftritte bei Talkshows und Redaktionsbesuche haben noch einen ganz anderen Grund, und auf den kann die neue Frontfrau der Grünen mit Recht besonders stolz sein. Obwohl Newcomerin, hat ihre Fraktion wie selbstredend die Kompetenz der Abgeordneten aus Ingolstadt im Kulturbereich akzeptiert und ihr kurzerhand ein ganz besonderes Vertrauen ausgesprochen: Krumwiede sprach bei der ersten öffentlichen Debatte des Bundestages fünf Minuten über die Kulturpolitik in Deutschland. Am Ende bekam sie dafür sogar Applaus und Respekt vom politischen Gegner. „Seither wissen die, dass sie mich ernst nehmen müssen“, sagt die 32-Jährige angriffslustig.

Die Frau, die in der Koalition „viel zu viele alte Männer in grauen Anzügen sieht“, Merkels Regierungserklärung als „Aneinanderreihung von Phrasen“ bewertet und so gerne Einstein zitiert („Fantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt“), wurde inzwischen auch zur kulturpolitischen Sprecherin ihrer Fraktion gekürt und bekam damit einen weiteren Vertrauensvorschuss. Jetzt will sie den Künstlern in Deutschland eine Plattform bieten und – teils auch aus ihrer eigenen Erfahrung als Konzertpianistin – aufzeigen, welch hartes Los und welch schlechte soziale Absicherung viele Menschen auf der Bühne haben. Der Dank dafür ist ihr jetzt schon gewiss – Sänger, Tänzer, Musiker und Schauspieler überhäufen sie mit Fanpost.

Andere Wege in der Kultur – das sind ihre Ziele. Die Jugend müsse stärker nach vorne kommen. Als erstes Mitglied des Deutschen Bundestages sprach sie in ihrer Rede von Hip-Hop als Stilrichtung, die man als eine von vielen Arten der Jugendkultur sehen und annehmen müsse – seither steht diese Szene voll hinter der „Miss Bundestag“ aus der Schanz.

Die wohnt übrigens mit ihrer Grünen-Kollegin Nicole Maisch in einer Wohngemeinschaft in einem Berliner Studentenheim. Die Bude kostet 300 Euro im Monat – „Das reicht mir, zum Schlafen brauche ich nicht mehr.“

Auch regionale Ansätze hat sie schon im Kopf: Die Ingolstädter Altstadtkinos sollen für soziokulturelle Jugendprojekte genutzt werden und mit dem CSU-Kollegen Reinhard Brandl will sie eine Veranstaltung für junge Menschen in Ingolstadt organisieren. „Weil wir mehr junge Leute für die Politik interessieren müssen.“

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